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"Ich danke Ihnen für Ihr Zeugnis!"

13. Oktober 2020 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Kardinal George Pell beim Papst. Das Zwielicht bleibt. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Am Montag, den 12. Oktober, empfing Papst Franziskus den australischen Kardinal und emeritierten Präfekten des Wirtschaftssekretariats des Heiligen Stuhls George Kardinal Pell. Es war die letzte Begegnung an einem arbeitsreichen Vormittag nach den Terminen mit Bischöfen, Botschaftern und Nuntien reservierte Franziskus das letzte offizielle Treffen des Papstes für Kardinal George Pell. Die Begegnung war für das Ende des Vormittags angesetzt und zweifellos von einiger Spannung begleitet. Es sollte Zeit vorhanden sein, falls das Treffen länger dauern sollte als erwartet. Nach der Audienz erklärte Pell nur, dass alles sehr gut gelaufen sei. Der Papst hatte ihn nicht in Santa Marta, sondern in der Bibliothek des Apostolischen Palastes empfangen. Mit einer ungewöhnlichen Initiative veröffentlichte das Mediendikasterium auf seiner Seite „Vatikan News“ auch ein kurzes Video vom Beginn des Gesprächs, in dem die Worte hervorstachen: „Ich danke Ihnen für Ihr Zeugnis!“.

Pell wird wohl mindestens drei oder vier Monate in Rom bleiben. Sicherlich ist es für ihn ein Wendepunkt nach drei Jahren Abwesenheit. Pell wurde dann vom Papst am Vorabend des Treffens des Restes des Kardinalrates K6 empfangen, womit die Reform der Finanzen der Kurie und des Vatikans abgeschossen werden soll. Die Versammlung wird wegen der Covid19-„Pandemie“ online abgehalten, um transozeanische Reisen der Kardinäle zu vermeiden. Vergangene Woche hatte Franziskus bereits den Apostolischen Nuntius in Australien aufgefordert, ihm über die angebliche Einmischung in den Prozess gegen Kardinal Pell zu berichten.

Es wird heute als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Begegnung entscheidend und vielleicht auch auf ihre Weise „dramatisch“ war. Wie der Kardinal nachher erklärte, sei das Treffen „gut“ gewesen. In der Tat hatte Pell weder Santa Marta noch den Apostolischen Palast betreten, nachdem er zweieinhalb Jahre in Australien verbracht hatte, um sich einem unglaublichen Prozess wegen angeblichem Missbrauch von Minderjährigen zu stellen. 404 Tage war der Kardinal im Gefängnis inhaftiert, bevor es zum Freispruch durch das Oberste Gericht mit einem einstimmigen Urteil kam: 6 von 6 Richtern. Es war der Papst gewesen, der dazu gedrängt hatte, sich in Australien der Justiz zu stellen.


Franziskus lehnte es damals ab, auf Gründe zu hören, obwohl der Kardinal ihn darauf hingewiesen hatte, dass es sich bei dem Fall um einen extrem schweren Schlag für die australische Kirche handeln würde. Vor seinem Rückflug nach Rom am 29. September 2020 (um nach eigenen Angaben seine alte Wohnung aufzulösen und seine persönlichen Sachen, seine Bücher nach Australien zu bringen), vertraute der ehemalige Präfekt des Wirtschaftsdikasteriums laut der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ befreundeten Priestern an, dass er sich darauf freue, dem Papst „in die Augen“ sehen zu können.

Dieser Satz soll ohne weitere Erklärungen gefallen sein. Dennoch dürfte dahinter die Verbitterung des Kardinals darüber stehen, dass ihm in diesen zweieinhalb anstrengenden Jahren des Prozesses und der Einzelhaft kein Wort des Trostes, der Unterstützung und Freundschaft seitens des Papstes zuteil wurde. George Pell machte daraus nie ein Geheimnis, noch verbarg er vor denen, die ihm näherkommen konnten, dass die Bekundungen der Solidarität mit ihm seitens des Vatikans an den Fingern einer Hand gezählt werden konnten. Wie deutlich wurde, auch durch das von Pell über die Zeit seiner Inhaftierung verfasste Buch, milderte allein sein tiefer Glaube die Einsamkeit während des Prozesses und im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses.

Pells Geschichte als Mann, Mensch und Kardinal überschnitt und überschneidet sich mit dem mehr und mehr vergifteten Klima im Vatikan, verbunden mit allen Grabenkämpfen und Scharmützeln. Während seines Mandats als Präfekt des Wirtschaftsdikasteriums war der Kardinal mehrmals mit dem Staatssekretariat und der „Apsa“ (der „Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls“, nach dem IOR die zweite, wichtigste und eigentliche Bank des Vatikans) aneinandergeraten, um die Kontrolle über die reservierten Pfründe zu erlangen, ein „kleiner“ päpstlicher Fond, den Pell mit allen anderen Fonds und Geldern kombinieren wollte, um sie besser verfolgen und nach eindeutigen Kriterien verwalten zu können. Seine angelsächsische Sichtweise war jedoch schlecht mit der traditionellen getrennten Verwaltung der Ressourcen mit Ermessensspielraum in Einklang zu bringen, was zu Zusammenstößen mit dem heutigen Kardinal Becciu (damals Substitut im Staatssekretariat) führte, der vor kurzem vom Papst unter dem Vorwurf der Veruntreuung von 100.000 Euro aus dem Fond des Peterspfennigs zugunsten der Caritas in seiner sardischen Heimatdiözese Ozieri, in der die Kooperative seines Bruders Tonino tätig ist, aus seinem Amt entlassen und der mit dem Kardinalat verbundenen Rechte beraubt wurde.

Dieser Vorwurf wurde in Folge der Maxi-Untersuchung der vatikanischen Justiz hinsichtlich des Kaufs der berühmten Luxusimmobilie in London formuliert, um die sich zu verschiedenen Zeiten korrupte Funktionäre, Vermittler, Geschäftemacher in einer noch zu definierenden Form geschart haben. Die „Financial Times intervenierte“ erneut in dieser Angelegenheit und veröffentlichte die Meldung, dass der Vatikan „aus Spenden stammende Vermögenswerte verkaufen musste, um ein Darlehen der Credit Suisse in Höhe von 242 Millionen Euro zurückzuzahlen“ Dieses Darlehen war angeblich teilweise für das Investment in der Luxusimmobilie in London verwendet worden, wodurch dem Heiligen Stuhl „enorme Verluste“ verursacht worden seien.

Als Pell in erster Instanz verurteilt worden war, verlautbarte der Heilige Stuhl, dass es sich um eine „schmerzliche Nachricht“ handle, und bekräftigte erneut den größten Respekt vor den australischen Justizbehörden. Der Papst hatte Kardinal Pell in Erwartung des Ergebnisses des Prozesses (der den Obersten Gerichtshof erreicht hatte) „die öffentliche Ausübung des Amtes und, wie üblich, den Kontakt mit Minderjährigen in jeglicher Art und Form“ verboten.

In der Londoner Untersuchung wurde unter den durchgesickerten Papieren auch eine bisher ungeklärte Überweisung in zwei Tranchen auf ein australisches Bankkonto entdeckt. Es besteht der Verdacht, dass dieses Geld zur Bezahlung der Zeugen in Pells Prozess verwendet worden sein könnte. Dies wurde jedoch von den Anwälten von Kardinal Becciu vehement zurückgewiesen.

Wie dem auch sei: mit der Rückkehr Pells und nach seiner Audienz beim Papst wurde erneut deutlich, wie verworren und vielschichtig die Finanzskandale sind, die ihm letztlich drei Jahre seines Lebens gekostet haben. Geld und der Vatikan: da wird es immer problematisch und teuflisch, vor allem wenn es um die reale Macht geht.

 


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Lesermeinungen

 Labrador 13. Oktober 2020 
 

Der alleinige “Bösewicht“?

Bitte mich nicht falsch zu verstehen, ich habe nicht die geringste Absicht, Card. (ohne so ganz Kardinal zu sein) Becciu zu verteidigen, aber ich habe so meine Zweifel dass er der alleinige Bösewicht in der Geschichte ist.
Einige Zweifel beschreibt der verlinkte Artikel, einige weitere:
- Wenn Becciu schon als Nuntius korrupt war, warum wurde es dann befördert?
- Der Zeitpunkt: Will man mit “corotto tutti” von “Fratelli tutti” ablenken?
- streiten da zwei Fraktionen um die Gunst von PF.
- raten die Medien und Kommunikationsberater im Augenblick zu einem “von allen ausgenützten PF”
- ...

beiboot-petri.blogspot.com/2020/10/vatican-skandale-und-ihre-hintergrunde.html#more


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 Hadrianus Antonius 13. Oktober 2020 
 

Schönes Foto

"Alles ist sehr gut gelaufen" ;-)
Das Foto erinnert mich an die Bilder nach einer Operation: ganz rechts der zufriedene selbstbewußte leicht schmunzelnde hühnenhafte Chirurg, in der Mitte der blasse leicht angeschlagene operierte Patient und rechts ein eher unbekanntes Familienmitglied oder Freund (nicht operiert)...
Von Becciu schon länger nichts mehr gehört (von seinem Anwalt Ivano Iyai dagegen noch etwas gesehen ;-) LOL)
PFranziskus sollte bei seinem gefüllten Terminkalender jetzt endlich sofort mal Kardinal Zen empfangen- am Besten mit vielen Zeugen...


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 girsberg74 13. Oktober 2020 
 

Stimmt, das Zwielicht bleibt!

Doch erst am Ende wird es deutlicher, das der Vatikan, genauer: sein Finanzgebaren, im Zwielicht steht und nicht Kardinal Pell.

Vielleicht durfte das nicht ganz so strikt gesagt werden, damit Armin Schwibach in Rom noch Termine kriegt.


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