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Nuntius Eterović: „Wie können und sollen wir als Christen dem Wort Gottes immer näher kommen?“

27. Jänner 2022 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Nuntius in Berlin zitiert Benedikt XVI.: „Das Christentum ist die Religion des Wortes Gottes, nicht eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des menschgewordenen, lebendigen Wortes.“


Berlin (kath.net) Berlin (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt von S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović am 23.1.2022 in voller Länge und dankt ihm für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung – Neh 8,2-4.5-6.8-10; Ps 19; 1 Kor 12,12-31; Lk 1,1-4.4,14-21

„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21).

Liebe Schwestern und Brüder!

    Die Worte des Herrn Jesus in der Synagoge von Nazareth, wo er viele Jahre seines Lebens verbracht hatte, passen gut zum heutigen Sonntag im Jahreskreis, der nach dem Willen des Heiligen Vaters Franziskus als Sonntag des Wortes Gottes begangen wird. Mit dem Motu Proprio Aperuit illis vom 30. September 2019 hat der Papst im Gedenken  an den 1.600 Todestag des Heiligen Hieronymus für  jedes Jahr diesen Sonntag in besonderer Weise zur Reflexion und zur Offenbarung des Wortes Gottes festgelegt. Das Wort Gottes ist insofern analog, da beispielsweise die Schöpfung zu uns von Gott dem Schöpfer spricht; außerdem spricht Er auch durch das Gewissen zu uns. Die Kirche betrachtet jedoch die Heilige Schrift, das Alte und das Neue Testament, als das Wort Gottes, das bezeugt und göttlich inspiriert ist. „Das macht deutlich, warum wir in der Kirche die Heilige Schrift hoch verehren, obgleich der christliche Glaube keine Buchreligion ist: Das Christentum ist die Religion des Wortes Gottes, nicht eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des menschgewordenen, lebendigen Wortes. Daher muss die Schrift als Wort Gottes verkündigt, gehört, gelesen, aufgenommen und gelebt werden, und zwar in der Spur der apostolischen Überlieferung, mit der es untrennbar verknüpft ist“ (Benedikt XVI., Verbum Domini, 7).

    Auch wir wollen nicht so sehr den einzelnen Lesungen, welche für die heutige Heilige Messe vorgeschlagen wurden, besondere Aufmerksamkeit widmen, sondern dem allgemeinen Sinn des Wortes, das Gott an uns richten wollte. Es ist Sein Wort, das er in menschliche Worte ausgedrückt hat, damit jeder es verstehen kann. Hierzu sagt die Dogmatische Konstitution Dei Verbum – Über die göttliche Offenbarung: „Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist“ (DV, 13). Das Nachsynodale Apostolische Schreiben Verbum Domini bekräftigt: „Das göttliche Wort drückt sich wirklich in menschlichen Worten aus“ (11). Bei diesem Werk spielt der Heilige Geist eine grundlegende Rolle, denn „das Wort Gottes kommt also durch das Wirken des Heiligen Geistes in menschlichen Worten zum Ausdruck“ (VD 15).
    Vor allem wollen wir uns bemühen, die Struktur der Bibel zu klären (I), und sodann zeigen, wie wir das Wort Gottes immer besser kennen können (II).


1.    „Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt“ (Lk 4,21).

Über welche Schriftstelle spricht Jesus Christus? Offensichtlich die heiligen Bücher des jüdischen Volkes, die er gut kannte. In seinem öffentlichen Leben sprach der Herr Jesus oft von solchen Schriften. Es genügt, an die Begegnung des Auferstandenen mit den Emmaus-Jüngern zu erinnern, wo er erklärt, was mit seinem Tod und seiner Auferstehung in Jerusalem geschehen war. „Und er legte ihnen dar, angefangen von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“ (Lk 24,27). Mit dem Bezug auf Moses erinnerte  Jesus an den Pentateuch, die Tora ((תּוֹרָה) auf Hebräisch, die fünf Bücher:  Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium. Die Propheten, die Neviim (נְבִיאִים), beziehen sich auf die frühen und späteren Propheten sowie auf die prophetischen Bücher. Die Schriften der Ketuvim (כְּתוּבִים) sammeln die Weisheitsbücher. In jedem Fall genießen die Schriften des jüdischen Volkes in der katholischen Kirche großes Ansehen,  und sie betrachtet diese als Teil der Bibel. Daher gibt es insgesamt  73 heilige Bücher im von der katholischen Kirche anerkannten Bibelkanon: 46 des Alten Testaments und 27 des Neuen Testaments. Jesus Christus lehrt uns, die Bedeutung der Bücher des Alten Testaments wertzuschätzen. Ohne dieses Wissen kann die Persönlichkeit Jesu nicht gut verstanden werden, eines Juden, der von der jüdischen Kultur geprägt wurde, die aufs engste von der Heiligen Schrift durchdrungen ist. Andererseits wird das Leben und Wirken Jesu zum Schlüssel für das Lesen der gesamten Bibel, insbesondere des Alten Testaments, wo es Prophezeiungen über seine Geburt, sein Leben und seine Mission gibt. Zweifellos sind das Neue Testament, die vier Evangelien von Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, die Apostelbriefe, die Apostelgeschichte und die Apokalypse unerlässlich, um Jesus und sein Evangelium gut zu kennen, eine gute Nachricht für alle Menschen zu jeder Zeit. Wie der heilige Hieronymus sagte, wer die Schrift nicht kennt, kennt Jesus Christus nicht: „Die Schrift nicht kennen, heißt, Christus nicht kennen“ (Commentariorum in Isaiam libri, Prol. - PL 24,17).

2.    „Alle Leuten weinten, als sie die Worte der Weisung hörten“ (Neh 8,9).

Die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Nehemia beschreibt die Haltung des jüdischen Volkes zur Bibel. Als das erwählte Volk aus der babylonischen Verbannung in die Heimat zurückgekehrt war, entdeckten seine Mitglieder auch die Bibel wieder. Vom Priester Esra wurde sie mit hohem Respekt vorgetragen. Die vorgelesenen Stellen aber mussten erklärt werden, damit alle sie verstehen konnten. Damit war nicht nur der zuweilen schwierig zu erfassende Zusammenhang der Bibel gemeint, sondern möglicherweise war auch die Sprache problematisch. Denn die Bibel war in hebräischer Sprache verfasst, eine Sprache, die viele Juden im Laufe der Jahrzehnte von fast 60 Jahren in Babylon, wo man Aramäisch sprach, vergessen hatten. Respektvoll stand das Volk auf,  als das Buch geöffnet wurde. Zum Segen des Priesters Esra „erhoben sie die Hände;  sie verneigten sich und warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde“ (Neh 8,6). Und als die Leute das Wort Gottes hörten, weinten sie (vgl. Neh 8,9). Es waren Freudentränen, weil sie die Schrift erstmals wieder gehört hatten, aber auch Tränen der Buße, denn das verkündete und erläuterte Wort ging zu Herzen und ließ die Menschen ihre Sünden erkennen, und sie hörten die Ermahnung zur Umkehr.  

    Wie können und sollen wir als Christen dem Wort Gottes immer näher kommen? Es gibt folgende Wege, die uns die göttliche Vorsehung zur Verfügung stellt.

-    Die Liturgie des Wortes Gottes

Sie ist der erste Teil der Heiligen Messe, die dann mit dem zweiten Teil, der Eucharistiefeier, fortfährt. Jeden Sonntag legt uns die Kirche vier biblische Lesungen vor, gewöhnlich zwei aus dem Alten Testament, die erste Lesung und der Antwortpsalm, und zwei aus dem Neuen Testament, die zweite Lesung und der Abschnitt aus dem Evangelium. Wir sollen dieses Wort aufmerksam hören und uns bewußt sein, dass durch sie der dreieine Gott zu uns spricht. Die Predigt sollte helfen, den Inhalt des Gotteswortes besser zu verstehen und auch dabei, wie es konkret in unserem persönlichen, familiären und sozialen Leben umzusetzen ist. Es ist daher wichtig, die Heilige Messe an den Sonn- und Feiertagen mitzufeiern, um sich durch das Wort Gottes und die Eucharistie, durch das Brot des Lebens nähren und stärken zu lassen.

-    Das Stundengebet – Liturgie der Tagzeiten

Das Breviergebet ist mittlerweile weit verbreitet, und auch viele Laien nehmen gerne diese lobenswerte Praxis auf, vor allem das Morgengebet der Laudes und das Abendgebet der Vesper. Das Brevier setzt sich aus den 150 Psalmen, kurzen Schriftlesungen und Fürbitten zusammen. Die Kirche empfiehlt dieses Gebet, mit dem wir uns an Gott mit den Worten wenden, die Er uns offenbart hat, und wir tun dies durch Jesus Christus und in der Gnade des Heiligen Geistes, so dass unser Gebet wohlgefällig aufgenommen wird. In der Lesehore, der Matutin, folgen der biblischen Bandlesung Kommentare der Kirchenväter oder des kirchlichen Lehramtes, die jeweils die Schriftabschnitte erschließen und unser Bibelverständnis bereichern.

-    Lectio divina – Das Schrift-Gebet

Dabei handelt es sich um eine Lesung in die Tiefe des Wortes Gottes hinein. Sie ist sehr mannigfaltig und eignet sich für verschiedene Lesestufen. Die katholische Tradition unterscheidet fünf davon: 1. das Lesen des Textes (lectio); 2. Meditation (meditatio), 3. Gebet (oratio), 4. Betrachtung (contemplatio) und 5. Handeln (actio). Weitere Informationen finden sich in Verbum Domini, 86-87.

-    Andere Methoden, sich der Bibel zu nähern.

Die Bibel ist eine großartige Textsammlung, die den Menschen zur Verfügung steht. Christen sollten mindestens einmal in ihrem Leben die ganze Bibel lesen, natürlich nach und nach, jeden Tag einen Abschnitt. Um die Bedeutung zu verstehen, kann man einen guten Bibelkommentar zu Rate ziehen, der heute jedem zugänglich ist. Eine praktische und sehr effektive Methode ist das Wiederholen eines Satzes oder von kurzen Ausdrücken aus der Bibel im Laufe des Tages. Das mag ein Satz sein, der uns aus dem Evangelium des Tages besonders aufgefallen ist. Zu den  verschiedenen Tageszeiten wiederholt, wird er zu einem wunderschönen Gebet, das nicht nur uns, sondern auch das Herz Gottes berührt.

Liebe Brüder und Schwestern, alle Heiligen haben sich bemüht, das Wort Gottes zu kennen und es in ihrem Leben anzuwenden. In besonderer Weise tat dies die selige Jungfrau Maria, die „alle diese Worte bewahrte und sie in ihrem Herzen erwog“ (Lk 2,19). Möge ihr Beispiel und vor allem ihre Fürsprache auch uns helfen, in Jesus Christus die Erfüllung des Wortes Gottes zu erkennen: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21). Beseelt vom Heiligen Geist werden wir in der Lage sein, den Reichtum des Wortes Gottes immer besser zu kennen, indem wir versuchen, es jeden Tag unseres Lebens in die Tat umzusetzen und es den Nahen und Fernen zu verkünden. Amen.


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Lesermeinungen

 lesa 27. Jänner 2022 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Danke für diese Unterweisung!
Unter dem "menschgewordenen, lebendigen Wort" Gottes darf aber nicht verstehen, das das Wort Gottes beliebig nach Zeitumständen zu verkünden sei, sondern im Sinne von Dei Verbum u. V. D, wie der Nuntius auch vermerkt. Wenn zum Beispiel eine Übersetzung der Schöpfungsordnung wiederspricht und eine Sprechweise die Ideologie fördert, ist die Zielrichtung des Wortes Gottes verfehlt.
Schön, dass er am Schluss sagt: "Brüder und Schwestern." Er und alle deutschsprachigen Hirten sollten den Mut aufbringen, auch gleich in der Anrede dies so zu handhaben. Alles andere gibt der Gendersprachverwirrung Nahrung. Es ist eine Versuchung der Schlange, diese Angst, einige Frauen damit zu verärgern.
Der Herr Nuntius, der ansonsten ein hervorragender kirchlicher Lehrer ist, möchte doch hier hilfreich mit dem guten Beispiel vorangehen-wie ein Deutschspr. Kardinal! Denn sonst heißt es: "Der Nuntius macht es ja auch so"
Es ist nicht "pastoral", sondern ein bisschchen Gift.


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