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Glettler warnt vor "aggressiver Abwehrhaltung" gegen Migranten

25. Oktober 2017 in Österreich, 6 Lesermeinungen
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Designierter Innsbrucker Bischof in "Tagespost"-Interview: Mehr Sorgen wegen leerer Kirchen als wegen voller Moscheen


Innsbruck-Würzburg (kath.net/KAP) Hermann Glettler, designierter Bischof der Diözese Innsbruck, hat in einem Interview mit der katholischen Zeitung "Die Tagespost" vor einer aggressiven Abwehrhaltung gegenüber Migranten gewarnt. Er kritisierte zudem die aktuelle Asylpolitik bzw. bewusst geschürte Ängste. An die Christen appellierte der Bischof, ihren eigenen Glauben wieder bewusst zu leben und auch im Dialog mit Muslimen begeistert von Christus zu sprechen.

Auf zunehmende Ängste und Ressentiments gegenüber "Fremden" und Andersgläubigen in Österreich angesprochen, meinte der Bischof, dass die Aufgabe der Kirche darin liege, "Zeugnis des Vertrauens und der Einheit zu geben - ohne Ängste kleinzureden oder mit Vorwürfen zu reagieren". Glettler: "Wir leben von der Zusage Jesu, dass er immer mit uns ist." Der "Kurzschluss" hin zu einem neuen "Kulturkampf" oder zum Aufbau einer aggressiven Abwehrhaltung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund erweise der Gesellschaft keinen guten Dienst. "Kirche muss Vertrauen vermitteln und wachsam sein, darf besorgniserregende Entwicklungen aber auch nicht verschlafen", so die Maxime des designierten Bischofs, der für mehr "geistliche Beweglichkeit" plädierte.

"Es gibt einen Anruf Gottes in unserer Zeit, der uns aus der Komfortzone eines zu eng gewordenen bürgerlichen Lebens herausruft", so Glettler. Angesichts von Migrationsbewegungen heiße das: "Nur Zäune hochziehen und Menschen zurückdrängen, die aus einer aussichtslosen Notlage kommen, wäre zumindest längerfristig keine Lösung, die dem Evangelium entspräche." Der Papst mahne immer wieder, all jene, die ihre Heimat verlassen mussten, mit offenen Armen zu empfangen. Natürlich braucht es aber ein "menschliches Augenmaß für das, was ein Land leisten kann und was nicht", räumte der Bischof ein.

Die Kirche sei diesbezüglich auch politisch, betonte Gletter: "Kirche ist mitten drinnen, unterstützt auch staatliche Strukturen, aber sie muss kritisch sein, wenn Aufnahmekapazität und Gastfreundschaft klein- oder schlechtgeredet werden." Am Anfang hätten sehr viele Menschen bei der Hilfe für Flüchtlinge mitgetan und Solidarität war allerorts erlebbar gewesen, "aber dann ist etwas gekippt - dieses Kippen ist meiner Meinung nach bewusst herbeigeredet worden". Auch dadurch, so Glettler, "dass man den Asylbewerbern keine Chance gegeben hat, sich rasch an der Mehrheitsgesellschaft mit einer sinnvollen Arbeit positiv zu beteiligen. Viel zu lange hat man sie zum Nichtstun verpflichtet. Jetzt redet man über den Arbeitsdienst."

Auf die Angst vieler Menschen vor dem Islam angesprochen, brachte der Bischof den schwindenden Glauben im Land ins Spiel: "Unsere westeuropäische Gesellschaft hat sich über Jahrzehnte den scheinbaren Luxus geleistet, geistliches Leben und Religion nicht wirklich ernst zu nehmen. Jetzt wird eine Religionsgemeinschaft, die bewusst und vital ihren Glauben lebt, zur gefühlten Bedrohung." Weit mehr Sorge als die vollen Moscheen würden ihm die leeren Kirchen bereiten, so Glettler: "Das Glaubenszeugnis der Muslime ist für uns Christen eine wichtige Herausforderung, unseren Glauben wieder bewusster und ohne Scheu zu leben. Wer oder was hindert uns daran, die Bibel vom Regal zu nehmen, sie abzustauben und aufzuschlagen?"

Freilich gebe es eine Spielart des Islam," vor dem sich Europa mit Recht fürchten sollte: ein salafistischer Islam, der mit einem eigenartigen Interesse von Saudi-Arabien nicht nur in alle nordafrikanischen Staaten und auf den Balkan exportiert wird, sondern auch bei uns in Westeuropa anzutreffen ist". Nicht fürchten müsse man sich aber vor der Mehrzahl der Muslime, "die ihren Glauben in einer friedliebenden Haltung leben". Man müsse hinsichtlich des Islam differenzieren, um nicht einerseits blauäugig zu werden und andererseits stereotype Negativschablonen zu bedienen.

Guter Umgang mit Muslimen

"Ein guter nachbarschaftlicher Umgang gibt den Muslimen die Chance, ihren Glauben ohne Legitimationszwang zu leben und sich dadurch selbst von allen fundamentalistischen Versuchungen zu distanzieren", zeigte sich der Bischof überzeugt. Wichtig sei, "dass Muslime uns Christen als gläubige, freundliche, offene und couragierte Bürger erleben". Einige Muslime, die sich nun auf die Taufe vorbereiten, hätten ihm zu verstehen gegeben, dass eine solche Haltung für ihre Entscheidung zur Konversation ausschlaggebend gewesen sei.

Hinsichtlich der Konversion von Muslimen betonte der Bischof, dass es in keinster Weise darum gehe, Andersgläubige von ihrer Religion abzuwerben, "schon gar nicht mit unlauteren Mitteln". Dazu würde es etwa gehören, "den Glauben des anderen schlecht zu machen, gesellschaftlichen Druck aufzubauen oder keine Möglichkeiten für die Religionsausübung zur Verfügung zu stellen".

Ein lauteres Mittel sei freilich das authentische Lebenszeugnis von Christen. "Es sollte in unserer Lebenspraxis sichtbar werden, was der Grund unserer Hoffnung ist, die uns erfüllt", so der Bischof. Im Dialog mit Muslimen sei es durchaus redlich, "begeistert von Jesus zu sprechen - und zwar nicht nur als Propheten. Jesus ist nach unserer Überzeugung der Bruder aller Menschen und zugleich auch Gott." Es wäre fatal, "wenn wir das Christusbekenntnis im interreligiösen Dialog zurücknehmen würden". Trotzdem sei es wichtig und sinnvoll, in diesem Dialog in allen Begegnungen "zuerst das zu betonen, was uns verbindet".

Heilige Messe und Sonntagskultur

Im Blick auf seine künftige Diözese Innsbruck sprach Glettler von viel "Wunderbarem", das er in der Diözese schon kennenlernen konnte. "Ich möchte in Zukunft Gemeinden, Pfarren und kleine Zellen christlicher Lebensgemeinschaften ermutigen, dass sie alles, was ihrem Charisma entspricht, möglichst leidenschaftlich und liebevoll tun", so der designierte Bischof wörtlich. Große Bedeutung lege er auf eine lebendige Feier der Heiligen Messe und auf eine Sonntagskultur, "in der es auch eine Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit für Menschen gibt, die nur selten zur Kirche kommen".

Zu seiner Vision gehört es auch, "dass es in den alten Klöstern neue Gemeinschaften gibt, in denen etwas von der ewigen Jungkraft des Evangeliums Gestalt angenommen hat - vielleicht ohne ewige Gelübde, aber mit viel Kreativität, Inspiration und Gottesnähe".

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 Pythia 23. November 2017 
 

Im Dialog mit den Migranten "zuerst hervorheben, was uns verbindet": Geben Sie einen Rat, Herr Bischof, was das sein soll! Außer dass Katholiken und Muslime beide Menschen sind, fällt mir nichts ein.


0
 
 Chris2 25. Oktober 2017 
 

Es werden (zumindest in D)

keine "Ängste kleingeredet", sondern jeder, der Sorgen äußert, als " islamophob", "Rassist" oder gar "Nazi" diffamiert und ausgegrenzt. Es werden tatsächlich all die schrecklichen Vorfälle kleingeredet, die Frauen und Männer seit der Grenzöffnung erleiden mussten und die sie teils nicht überlebt haben. Vielleicht sollten Bischöfe mehr Regionalnachrichten im Internet lesen...


4
 
 goegy 25. Oktober 2017 
 

Was Bischof Glettler sagt ist edel und gut. Leider ist die Realität eine andere. Eine tolerante, friedliebende Interpretation von Koran und Scharia bei muslimischen Meinungsbildnern ist eher die Ausnahme.

Der Himmel hat uns, nebst einem guten Herz, auch ein logisch denkendes Hirn gegeben!

Richtig ist sein Gedanke, dass wir uns vor dem eindringenden Islam besonders deshalb fürchten müssen, weil wir uns durch Jahrzehnte von laizistischer Propaganda, Konsumerismus und Individualegoismus von Lehre und tradierter Praxis der katholischen Kirche entfernt haben.
Die ständige Propagierung der Kleinstfamilie und die Übertreibung der sich selbstverwirklichenden Frau haben zu einer Populationsentwicklung geführt, die bei antizipatorisch denkenden Menschen wirklich Ängste auslösen muss.
Daran ist nicht der einsickernde Islam schuld, sondern wir selbst!


7
 
 unbedeutend 25. Oktober 2017 
 

Die Spielart des Islam,

vor der wir uns "mit Recht fürchten sollen", ist der Islam, den wir im Koran und in der Sunna finden.
Der Auftrag Jesu, alle Menschen zu Jüngern zu machen, kennt keine Ausnahme bezüglich der Muslime.
Natürlich kann man diesem Auftrag nur nachkommen, wenn man selber Jesus nachfolgt, was heutzutage leider nur mehr selten vorkommt. Wer durch den Glauben an Jesus eine tiefe Beziehung zu seinem himmlischen Vater erfährt, wünscht diese Beziehung auch den Muslimen, die Gott nicht als ihren Vater kennen.
Bei allem Respekt vor jedem Muslim, muss für einen Christen doch immer klar sein, dass diese Religion, die den Vater und den Sohn leugnet (1 Joh 4,22), ein Irrweg ist. Die Liebe gebietet, Menschen zur Wahrheit zu führen. Voll Liebe und Respekt.


11
 
 antony 25. Oktober 2017 

..."begeistert von Jesus zu sprechen - und zwar nicht nur als Propheten."

Ich freue mich über jeden Bischof, der dazu aufruft, gegenüber allen Menschen, auch Muslimen, unseren Glauben froh zu bezeugen. Man nennt das auch Evangelisation.

Und Bischof Glettler nennt ja auch die Wirkung: "Einige Muslime, die sich nun auf die Taufe vorbereiten, hätten ihm zu verstehen gegeben, dass eine solche Haltung für ihre Entscheidung zur Konversation ausschlaggebend gewesen sei."


7
 
 Lilli-Lou 25. Oktober 2017 
 

Aggressive Abwehrhaltung?

Das stößt mir auf. Lese ich da einen Vorwurf heraus an Menschen, die diesem zwielichtigen Islam gegenüber einfach auf Vorsicht gehen? Ich kenne inwischen einige Fälle, wo unscheinbare Muslime, die Gast- und Schutzstatus genossen, Angehörige ihres Gastlandes töteten, bloß weil sie "Ungläubige" waren.In der Peter Hahne Sendung ZDF v. 16. Sept. 17 „Die Macht der Angst“ sagte der Psychiater Christian Peter Dogs: "Da gibt es das gefährliche Phänomen, das so keiner sehen will, dass die Persönlichkeit eines Menschen bis zum 20. Jahr, eigentlich schon bis zum 12. Jahr ausdifferenziert ist. Das heißt, Charakter, Temperament, Persönlichkeit ist durch, ist kaum noch zu verändern. Mit diesen jungen Menschen kommt ein irres Gewaltpotential rüber. Sie sind mit anderen Wertvorstellungen da und das ist eine Zeitbombe, weil die gar nicht unsere Wertvorstellungen verstehen können und wir können sie ihnen auch gar nicht mehr beibringen." Herr Bischof, wer ist hier aggressiv? Ich geißle mich nicht selbst.


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