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Der nächste Papst - Leseprobe 2

8. August 2020 in Buchtipp, 1 Lesermeinung
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Leseprobe 2 des Papst-Biografs George Weigel, der in seinem neuen Buch das Idealbild eines Papstes entwirft


Linz (kath.net)

Viele neuere Diskussionen in der katholischen Kirche einschließlich der Debatten vor, während und nach den Synoden von 2014, 2015 und 2018 und während der Sonderversammlung der Bischofssynode für die Pan-Amazonas-Region waren im Grunde genommen Debatten über die Wahrheit und Verbindlichkeit der Offenbarung. Sind die Worte des Herrn Jesu über das Wesen der Ehe und ihre Unauflöslichkeit auch heute noch wahr und verbindlich? Oder gibt unsere Erfahrung der Zerbrechlichkeit der Ehe in der zeitgenössischen Gesellschaft uns das Recht, etwas an der Lehre Jesu nachzujustieren oder sogar zu korrigieren?

Sind die Worte und Bestimmungen des heiligen Paulus über den würdigen Empfang der heiligen Kommunion auch heute noch wahr und verbindlich? Oder gibt unsere historische Situation uns das Recht, etwas an der Lehre des heiligen Paulus nachzujustieren oder zu korrigieren? Sind die Lehren Jesu des Herrn und des heiligen Paulus über die Ethik der menschlichen Liebe und darüber, wie eine Liebe beschaffen sein muss, damit daraus Glück und Seligkeit erwachsen, auch heute noch wahr und verbindlich? Oder gibt uns die sexuelle Revolution das Recht, uns in diesen Dingen für kompetenter zu halten als Jesus den Herrn, den heiligen Paulus und die seit zwei Jahrtausenden unveränderte Lehre der Kirche? Gilt der große Missionsauftrag, hinauszugehen und alle Völker zu Jüngern zu machen, auch in Bezug auf indigene Bevölkerungen?

In diesen und ähnlichen Debatten geht es nicht um „Politik“. Es geht um die Wahrheit der göttlichen Offenbarung. Und es ist wichtig, sich klarzumachen, dass solche Debatten typischerweise an bestimmten soziologischen und historischen Orten aufkommen.

Diejenigen, die die Auffassung vertreten, die Offenbarung müsse sich an der Geschichte messen lassen und die Kirche könne an den Lehren Jesu des Herrn und des Völkerapostels sozusagen Verbesserungen vornehmen, kommen hauptsächlich aus älteren Ortskirchen, die die kulturellen Angriffe auf den Katholizismus – angefangen bei den europäischen Aufklärungsbewegungen des 19. Jahrhunderts – mit voller Wucht abbekommen haben: katholischen Gemeinschaften, insbesondere im deutschsprachigen Raum, deren liberale protestantische Nachbarn sich schon längst von der Vorstellung einer über die Zeit verbindlichen göttlichen Offenbarung verabschiedet hatten.

Diese soziologische und historische Tatsache legt (sosehr sich der eine oder andere auch dagegen sträuben mag) die Schlussfolgerung nahe, dass Männer der Kirche, die vorschlagen, die Offenbarung so anzupassen, dass sie sich in ein zeitgenössisches kulturelles Muster einfügt, im Grunde an einem Mangel an Glauben an den Sohn Gottes leiden. Sie sind auch nicht überzeugt von der Möglichkeit, den Herrn Jesus als Sohn Gottes zu verkünden, und versagen deshalb, die Freundschaft mit Jesus Christus als Antwort auf die tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzens anzubieten.

Darauf folgt in kurzer Zeit die Anpassung an die kulturellen Sitten und Gebräuchen der umgebenden Gesellschaft. So gibt es ein weit hergeholtes Bestreben, diese Sitten und Gebräuche zu „taufen“. Und ebenso bestehen implizite oder explizite Anstrengungen, die Kirche zu einer Freiwilligenorganisation umzudefinieren, die sich karitativ in der Gesellschaft engagiert.

Im Gegensatz dazu kommt das stärkste Bekenntnis zur Verteidigung der Wahrheit und der verbindlichen Autorität der Offenbarung in den katholischen Debatten der letzten Jahre aus den jüngeren afrikanischen Ortskirchen und aus jenen Teilen der westlichen Kirche, die die Neuevangelisierung als den Königsweg der Kirche für das 21. Jahrhundert und das dritte Jahrtausend verwirklichen. Wo der Glaube an Christus stark ist und wo dieser Glaube mit Eifer als wahrhaft befreiend verkündet wird, dort erscheinen die Wahrheiten der Offenbarung als die Magna Charta des menschlichen Glücks: als Weg zu Gotteserkenntnis und ewigem Leben. Und von dieser Verkündigung der Wahrheit Gottes in Christus aus ist der echte Dienst für die Gesellschaft eine Folge.

Die katholische Kirche der Neuevangelisierung – welches die katholische Kirche der Wahrheit der Offenbarung ist – ist lebendig. Die katholische Kirche der kulturellen Anpassung – die Kirche, die sich der Wahrheit der Offenbarung nicht sicher und daher unfähig ist, das Evangelium furchtlos zu verkünden – liegt im Sterben oder ist bereits tot. Dies muss der nächste Papst verstehen.

kath.net Buchtipp
Der nächste Papst - Das Amt des Petrus und eine missionarische Kirche
Von George Weigel
Media Maria 2020
160 Seiten
ISBN: 9783947931248
Preis: 17,50 Euro


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Lesermeinungen

 Chris2 8. August 2020 
 

Nach Südamerika

wäre es schön, wenn Afrika den nächsten Papst stellen würde. Entspräche sogar dem aktuellen Zeitgeist. Vielleicht Kardinal Sarah?
A propos Schwarze: Neue Filmsequenzen belegen, dass George Floyd, dessen Tod ja angeblich der Auslöser der Rassenunruhen in den USA war (mit dem Wahlkampf hat das selbstverständlich nichts zu tun), bereits über Atembeschwerden klagte, bevor man ihn fixierte. Möglicherweise lag es doch eher an den Drogen, die er genommen hatte und seine Gegenwehr später war bereits Teil des Todeskampfes - was leider niemand erkannte.


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