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Was macht Franziskus mit Entschuldigungsforderung aus Kanada?

7. Juni 2021 in Chronik, 9 Lesermeinungen
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Nach dem Fund toter Kinder bei einem früheren katholischen Internat in Kanada steht die Kirche unter Druck. Die Regierung fordert eine Entschuldigung des Papstes - Kathpress-Hintergrundbericht von Roland Juchem


Vatikanstadt  (kath.net/KAP) Es mag zeitlicher Zufall sein. Doch wahrscheinlich wird Papst Franziskus am Samstag mit seinen beiden kanadischen Kurienkardinälen auch über die Nachrichten aus deren Heimatland gesprochen haben. Darüber, dass auf dem Gelände des früheren katholischen Internats Kamloops in Westkanada die sterblichen Überreste von 215 Kindern gefunden wurden. Und über die Aufforderung von Premierminister Justin Trudeau, der Papst solle offiziell zu ihrer früheren Rolle im kanadischen Heimsystem Stellung beziehen. Über Inhalte der getrennten Unterredungen mit Kardinal Marc Ouellet von der Bischofskongregation und Michael Czerny, in der Entwicklungsbehörde zuständig für die Themen Migration und Flucht, wurde nichts bekannt. Ouellet hat wöchentlich einen Termin bei Franziskus wegen Personalia von Bischöfen.

Czerny, ein Vertrauter von Franziskus, ist eher sporadisch bei ihm. Dass gleichzeitig die Ernennung des neuen Päpstlichen Nuntius für Kanada bekanntgegeben wurde, fügt sich ins Bild. Die Personalie selbst dürfte längerfristig vorbereitet und entschieden worden sein. Als künftiger Botschafter in Ottawa wird sich der slowenische Vatikandiplomat Ivan Jurkovic (68) gleich zu Beginn mit diesem dunklen Kapitel befassen müssen. Bislang war Jurkovic ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UN-Sonderorganisationen in Genf, der Welthandelsorganisation (WTO) und der Internationalen Organisation für Migration (IMO). Seit dem Fund der toten Kinder mittels Bodenradar auf dem Gelände des früheren Internats in Westkanada, das zuerst von der katholischen Kirche und später vom kanadischen Staat betrieben wurde, steht die Kirche dort unter Druck. Sie hatte das Internat nahe der Kleinstadt Kamloops im Westen des Landes 1890 eröffnet.


In der Einrichtung waren Söhne und Töchter aus indigenen Familien zumeist zwangsweise untergebracht, um sie an die "christliche Zivilisation" heranzuführen. Das Internat war eines von 139 Umerziehungsheimen in Kanada, die überwiegend unter kirchlicher Leitung standen. 1969 übernahmen staatliche Behörden das Internat, 1978 wurde es geschlossen. Es ist bislang unklar, ob der Papst eine Vergebungsbitte aussprechen wird wegen der kirchlichen Schuld bei den Umerziehungsinternaten, in denen es auch verbreitet Missbrauch und Misshandlungen gab. Bisher hat Franziskus solche Bitten um Entschuldigung ausgesprochen, wenn er die betreffenden Länder besuchte. Dies geschah etwa 2018 in Irland, wo es neben Missbrauch durch Kleriker in Gemeinden ein Heim-System gab, dessen Einrichtungen von der Kirche im Auftrag des Staates geführt wurden. Bereits 2013 bat der Pontifex für die Rolle der Kirche im Kolonialismus um Entschuldigung.

Bei einem Besuch in Bolivien im Jahr 2015 entschuldigte sich Franziskus für die "vielen schweren Sünden, die im Namen Gottes gegen die Ureinwohner Amerikas begangen wurden". Mit Bezug auf die Umerziehungsinternate für indigene Kinder in Kanada entschuldigte sich die kanadische Regierung 2008 formell für das System. Trudeau sagte am Freitag, dass sich viele "fragen, warum die katholische Kirche in Kanada schweigt und keine Stellung bezieht". Am gleichen Tag hatten UN-Menschenrechtsexperten sowohl die Regierung Trudeau als auch den Vatikan zu einer restlosen Aufklärung der Fälle in Kamloops und anderen Einrichtungen aufgefordert. Es sei "schlicht unvorstellbar", dass mögliche Verantwortliche ungeschoren davonkämen, hieß es in der Stellungnahme. Außerdem verlangten die UN-Experten Entschädigungen für noch lebende Opfer von Misshandlungen und Missbrauch.

 

 

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 Norbert Sch?necker 8. Juni 2021 

Die Fehler der Vergangenheit

Für den konkreten Fall bleibt ein Ergebnis der Untersuchungen abzuwarten.

Prinzipiell aber hat die Kirche in Amerika bei vielen Verbrechen der Kolonialmächte mitgewirkt. Manchmal wird das tatsächlich im Glauben geschehen sein, etwas Gutes zu bewirken; aber es ist nur recht und billig, aus heutigem Wissen zuzugeben, dass die Kirche den ureinwohnern oft schwer Unrecht getan hat.

Kanada hat, so steht es oben im Artikel, 2008 für die Umerziehungsinternate um Entschuldigung gebeten. Die Kirche hat schon mehrmals für ihre Beteiligung an Kolonialverbrechen dasselbe getan und kann es für diese spezielle Beteiligung noch einmal tun.
Ebenfalls darf die Kirche auch zeigen, was sie den Menschen, insbesondere den amerikanischen Ureinwohnern, Gutes getan und wo sie sie beschützt hat. Beides möge der höheren Ehre Gottes dienen - die Demut und das "Licht auf dem Leuchter".


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 chorbisch 8. Juni 2021 
 

@ Ehrmann, Teil 2

Diese Diskussion geht laut der FAZ von den Vertretern der indigenen Völker aus und läuft schon einige Jahre.

Daß die Kirche bei der Diskussion über diese "Residental Schools" auch ins "Fadenkreuz" geraten ist, ist kein "Mißbrauch der Wahrheit", oder "Ablenkung" von irgendwelchen Sauerreien der aktuellen Regierung.

Die Kirche hat sich an dem diesen "Schulen" zugrunde liegenden Konzept, das es so ähnlich auch in Australien gab, beteiligt und weil sich die Ansichten über den Umgang mit den "Eingeborenen" inzwischen geändert haben, müssen sich ihre Vertreter kritischen Fragen stellen.

Das mögen manche zu kirchenfeindlichen Zwecken ausnutzen, aber daß sie das in diesem Fall könn(t)en, haben die damals Verantwortlichen ihnen ermöglicht.


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 chorbisch 8. Juni 2021 
 

@ Ehrmann, Teil 1

Was bitte, ist daran "katholisch", wenn Kinder nur wegen ihrer Herkunft ihren Eltern entrissen werden und in Internaten wie Kamloops einer Art "Gehirnwäsche" unterzogen werden, damit sie ihre Herkunft und Kultur vergessen?
Es mag sein, daß die Kirchenvertreter, die das damals mitgemacht haben, ehrlich glaubten, sie würden die Seelen der Kinder durch Hinführung zum Glauben retten. Aber ich fürchte, durch die Art, wie das geschehen ist, haben sie mehr Seelen zerstört, als gerettet.

Ich sehe auch nicht, daß hier die Wahrheit mißbraucht und von irgendetwas abgelenkt werden soll. In Kanada wird seit Jahren über den Umgang mit den "Ureinwohnern" diskutiert.


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 Ehrmann 8. Juni 2021 

Es ist eine moderne Seuche, daß alles, was KATHOLISCH fehlerhaft sein KÖNNTE unkritisch als Tatsache

Wenn das kein Mißbrauch der Wahrheit ist! Man könnte meinen, da ist eine Schuldzuweisung für manche eine höchst willkommene Angelegenheit - mit Interesse an Recht und Gerechtigkeit hat es jedenfalls nichts zu tun. Matthieu hat völlig recht - dazu kommt noch die Frage nach der Datierung von Verbrechen, sollten sie tatsächlich begangen worden sein - noch zur Zeit der katholischen Führung oder doch erst nach der staatlichen Übernahme?? ja, der Staat hätte theoretisch großes Interesse an Ablenkung - von seiner rigorosen Abtreibungspolitik, die bereits eine vielfache Menge an Kindstötungen zur Folge hat - und manche Flucht von Ärzten, die sich nicht zur Durchführung von Kindstötungen zwingen lassen wollten. Zu dieser Feststellung muß man nicht erst den Boden aufgraben.


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 matthieu 7. Juni 2021 
 

@Chorbisch

Wahrscheinlich haben Sie recht. Ich wollte das Spektrum erweitern. Ganz abwegig ist die Vorstellung nicht, dass man von einer Pandemie oder Seuche einfach überfordert wird. Mit wenig Personal. Vor 100 Jahren. Warten wir die Fakten ab. Alles Gute


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 Taubenbohl 7. Juni 2021 
 

Kamloops

Wir müssen hier sehr vorsichtig sein. Die BBC setzt 'suspected' dh. Mutmasslich, verdächtigt. Handfeste Beweise gibt es noch nicht. Bodenradar kann keine Kindergräber festellen. Erst muss forensische Ausgrabung statt finden und die Akten mussen auch aus die Langzeitaufbewahrung geholt werden Wir sind hier in die Moderne ..Twitterhorden usw. Die Verurteilung ist schon vorhanden..schon wieder die Katholiken wie in Tuam, Irland in 2014. Alle waren überzeugt.

Ein Problem. Alles eine Fiktion. Kinder in Abwassergruben gab es nicht. Aber die anti Katholische Stimmungsmacher wollten es haben.

Ein Lüge geht um die halbe Welt bevor die Wahrheit den ersten Stiefel angezogen hat.

Wir mussen im Internet Zeitalter sehr vorsichtig sein. Ich warte auf eine volle Staatsanwaltliche Untersuchung.


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 chorbisch 7. Juni 2021 
 

@ athanasius1957; matthieu

@Athanasius, nach allem, was bisher bekannt ist, sollen die Kinder nicht von ihren Eltern in diese Schulen gebracht worden sein, damit sie eine gute Bildung erhalten, sondern sie wurden gegen ihren Willen ihren Familien entrissen und dort "umerzogen". Falls (!) das stimmt, ist das in keiner Weise christlich und der Papst sollte um Verzeihung bitten, daß die Kirche sich daran beteiligte.

@ Matthieu: Aber warum ist das Grab erst jetzt "entdeckt" worden. Katholiken sollten für ein ordentliches Begräbnis sorgen, auch bei einem Massengrab, und das Grab so gestalten, daß es nicht einfach "vergessen" werden kann, darin liegen immerhin 250 Leichen.

Aber warten wir ab, was noch ermittelt wird.


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 athanasius1957 7. Juni 2021 
 

Australien, Neuseeland, Afrika, Indien...

Überall hat unsere Heilige Mutter Kirche ihre Waisenhäuser inkl Schulen gehabt oder auf Aufforderung der dortigen Machthaber erbaut und betrieben. Dies geschah aus einem einzigen Grund. Die Kolonialverwaltung war sich des hohen Niveaus dieser Schulen und Heime voll bewusst und förderte diese.
P. Maximilian Kolbe kaufte in der Nähe von Hiroshima auf Befehl der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter einen Grund für ein Waisenhaus. Seine Brüder hielten ihn für verrückt. Ein paar Jahre später wussten sie nach der Atombombe warum!
Nebstbei:
entschuldigen kann ich mich auch im Katholischen nur für meine Fehler, nie jedoch für das, was vor Jahrzehnten passiert ist.


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 matthieu 7. Juni 2021 
 

Erst Untersuchungen abwarten

Bitte erst Fakten. Was ist denn, wenn man feststellt, dass diese Kinder Opfer einer Typhus- oder Tuberculose-Welle waren oder während der Spanischen Grippe starben? Ein Internat ist da ja leider ein Virenhaus. Übrigens: Während der span Grippe überlebten in manchen Inuit-Dörfern NUR die Kinder und Jugendlichen. Und wer hat die aufgenommen? Die Kirche.
(Ich lasse mich auch gern durch Fakten belehren, aber bitte erst Fakten, hoffentlich ist nach all den Jahren noch möglich, die Todesursache zu ermitteln)


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