"Gott hat alles in der Hand und wir sollten diese öfters waschen"

3. März 2020 in Interview


kath.net-Interview mit Patrick Knittelfelder, Unternehmer und Leiter HOME Mission Base und seit Freitag in Quarantäne wegen des Coronavirus. Von Roland Noé


Salzburg (kath.net/rn) Seine Erfahrungen mit der unerwarteten Quarantäne wegen Kontakt mit einer Corona-Virus-postivien Person schildert Patrick Knittelfelder, Geschäftsführer und spiritueller Impulsgeber der "Home Mission Base Salzburg" und Unternehmer.

kath.net: Du bist seit Freitag wg. dem Corona-Virus unter Quarantäne? Wie kam es dazu?

Patrick: Ich war einer der Speaker beim Leiterkongress von Willow Creek, einer großen Freikirche aus Amerika, die sich sehr mit dem Thema Leiterschaft beschäftigt. Insgesamt waren 10.000 Leiter bei dieser dreitägigen Konferenz, die diesmal in der DM-Arena in Karlsruhe stattgefunden hat. Das ist die größte Leadership Konferenz im deutschsprachigen Raum.

Ein Sprecher, der aber nie beim Kongress war, wurde krank. Er war allerdings am Tag zuvor bei einem Dinner mit allen anderen Sprechern. Das war am Mittwoch Abend. Der Kongress war unglaublich gut und mitten im Laufen, als Freitag Vormittag die Nachricht kam, dass dieser Sprecher positiv auf den Corona-Virus getestet wurde. Sofort wurden alle, die bei diesem Dinner dabei waren oder Kontakt hatten, als Vorsichtsmaßnahme, direkt am Messegelände unter Quarantäne gestellt. So auch meine Assistentin und ich. Danach begannen die Beratungen mit den Behörden.

Schließlich hat am Freitag das Willow Management beschlossen den Kongress mit 10.000 Besuchern direkt nach der Mittagspause abzubrechen. Für die Teilnehmer bestand nie eine Gefahr. Laut Aussage der Behörden und Karlsruhe ist eine Ansteckungsgefahr erst nach 48 Stunden gegeben. Deswegen hat man sich entschlossen, den Kongress 4 Stunden vor dieser Frist zu beenden. Die Teilnehmer waren sehr gefasst. Die Räumung ist zügig und sehr geordnet erfolgt.

kath.net: Wie bist Du im Anschluss dann nach Salzburg gekommen?

Patrick: Die Behörden haben die jeweiligen Behörden der Wohnorte der Sprecher verständigt. Die Kongressleitung hat für jeden einzellen Fall die optimale Lösung für die Überstellung gesucht. Leider müssen alle Vortragenden aus Übersee für 14 Tage in Quarantäne in Deutschland bleiben. Diese Sprecher sind bei anderen Sprechern in deren Privathäusern untergekommen.

Meine Assistenten und ich sind mit einem Auto nach Salzburg gefahren. Die Behörden waren mit uns mehrfach während der Fahrt in Kontakt. In Salzburg haben wir noch in der Nacht einen Absonderungsbescheid nach §7 des Seuchengesetztes zugestellt bekommen. Da ich vorher schon leicht verkühlt war, wurde am nächsten Tag von einem mobilen Team ein Abstrich gemacht.

kath.net: Wie sieht Deine Quarantäne konkret aus?

Patrick: Ich habe das Glück, dass wir über ein eigenes Gästezimmer mit Bad und WC verfügen. Auf diesen 14m2 spielt sich jetzt mein Leben ab. Ich darf keinen direkten Kontakt zu meiner Familie haben, wir sehen uns durch die offenen Türe. Ein Mindestabstand von 2 Metern muss bestehen. Ich habe einige Bücher, mein Mac Book und Telefon. Ich muss versuchen, meine Firmen von hier aus zu managen.

kath.net: Wie gehst es Dir jetzt und wie gehtst Du damit um?

Patrick: Körperlich geht es sehr gut. Bis Sonntag war ich mental eher angeschlagen und sehr traurig. Deine Familie zu sehen, sie aber nicht in den Arm nehmen zu können ist hart. Jetzt beginne ich mich langsam einzurichten und mein Leben hier zu planen. Gott hat alles im Griff. Aber es ist schon interessant, 15 Top Sprecher und Leiter und ihre Begleiter für 14 Tage in die „Wüste“ zu führen. Ich kann hier die Namen der Betroffenen nicht nennen, aber man könnte sagen, dass viele aus der Spitze der Erneuerung von Kirche und Gemeinde nun zusammen die Fastenzeit beginnen. Ich glaube da wird es gute Früchte geben.

kath.net: Was empfiehlst Du anderen, die möglicherweise auch in dieser Situation sind oder noch kommen könnten?

Patrick: Wir sind in verschiedenen Verteilern gut verbunden. Dadurch sieht man, das jeder damit ein wenig anders umgeht. Es war viel Traurigkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht da. Es hilft sehr, diese Gefühle mit anderen zu teilen. Manche haben keine Möglichkeit zu einer Qurantäne zu Hause, die mussten sich zb. eine Ferienwohung mieten, wo sie von außen versorgt werden. Wichtig ist, sich nicht hängen zu lassen und zügig einen guten Tagesablauf einzuüben.

kath.net: Wie sollen Christen generell mit so einer Krisensituation umgehen?

Patrick: So wie andere auch. Alle tun Ihren Job. Es scheint wirklich wichtig - so lange das noch geht - die sogenannten „Nuller“, also jeweiligen ersten Übertragenden zu finden und das Umfeld abzuschirmen. Bald wird auch dieser Virus im Alltag angekommen sein. Dann wird es zu den Grippewellen auch Coronawellen geben, glaube ich. Dem Mann von Karlsruhe geht es übrigens seit Sonntag wieder besser. Er bittet weiter ums Gebet für seine Kinder und seine Frau, denn ein Kind ist auch positiv. Gott hat alles in der Hand und wir sollten diese öfters waschen. Warm, mit Seife und mind 20 Sekunden lang. Dann würde auch die nächste Grippewelle weit harmloser ausfallen 😉

kath.net: Alles Gute und Gottes Segen und Danke für die Bereitschaft zum Interview


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