Die Vertiefung der Spaltung

26. April 2021 in Kommentar


So schreitet der Prozess der Spaltung in Deutschland mit derzeit zunehmender Geschwindigkeit so lange fort, bis nichts und niemand das Feststellen des Schismas noch länger aufhalten kann - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Seit dem Ende des jüngsten Konzils droht der Kirche in manchen Regionen der Welt eine Spaltung. Nach 1965 und in Deutschland noch einmal stärker nach dem Ende der Würzburger Synode wähnten sich die sogenannten reformorientierten Kräfte in der Kirche auf der Siegerseite. Stück für Stück wurde als Symbolfeld dafür der Altarraum erobert, der bis dato dem Priester und den Ministranten vorbehalten war. Die Einführung von Lektoren und Kommunionhelfern sollte die Rolle der Laien stärken. Mädchen als Messdiener stehen für Gleichberechtigung, vertrieben aber unterm Strich die Jungs aus dem Messdienergruppen. Immer mehr vor allem weibliche Laien als Angestellte im pastoralen Dienst der Kirche sollten die Rolle der Frau in der Kirche stärken. Räte übernahmen die Kontrolle in den Pfarreien, Dekanaten und zunehmend in den Bistümern. Viele Schritte konnten sich nicht auf den Willen der Konzilsväter berufen, deshalb konstruierte man den „Geist des Konzils“ als eine Größe der Beliebigkeit und des Relativismus mit der man diese Schritte begründen konnte.

Zugleich mit diesen Schritten nahmen die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und zuletzt Benedikt XVI. die Bürde einer nachkonziliaren Lehrentwicklung auf Basis der wirklichen Beschlüsse des Konzils auf sich. Damit handelten sich diese Päpste den Vorwurf ein, „das Konzil zurückdrehen“ zu wollen. Eingefangen wurden dabei allerdings nur einige wenige überschäumende Reformprojekte. Eine wirklich konsistente Umsetzung der nachkonziliaren Lehre sucht man zumindest in Deutschland vergebens. Gerne ignoriert oder konterkariert man, was aus Rom kommt.

Als wichtigstes Beispiel vollkommen ignorierter päpstlicher Schreiben darf wohl „Humanae vitae“ gelten. Es ist sozusagen das Modellprojekt der selbsternannten Reformer, wie man nach diesem Muster auch später römische Schreiben ignorierte und deren Inhalte desavouierte. Hilflos wirkende Bischöfe sahen zunächst nur zu, wie Priester, Professoren und Laienvertreter den Menschen erzählten, man müsse sich nicht an dies päpstliche Schreiben halten. Der Sündenfall von Königsstein machte den deutschen Episkopat zu Mittätern an der Dekonstruktion der Lehre. Die Königsteiner Erklärung ist bis heute ein Menetekel an der Wand der Kirche in Deutschland.

Fast scheint es, als ließe sich von dort eine Linie das Verfalls ziehen. Angefangen von lehrmäßigen Verflachungen in der Predigt über liturgische Eigenmächtigkeiten setzte sich in den Gemeinden vor Ort eine immer größer werdende Eigenständigkeit im Lehren und Handeln durch. Eine Einheit mit Rom wurde bestenfalls graduell gepflegt. Lobenswerte Ausnahmen, in denen an Einheit gleichermaßen wie an Tradition festgehalten wurde, sind und waren glänzende Edelsteine zwischen häretisch-apostatischem Schlamm und Geröll.

Die Instruktion „Redemptionis sacramentum“, die natürlich in Deutschland auch komplett ignoriert wurde, zeichnet ein jämmerliches Bild vom Zustand der Liturgie im Jahr 2004. Man kann dem Schreiben entnehmen, wogegen es sich wehrt. Ein solcher Eindruck gibt ein gutes Bild davon, was schon damals üblich war. Die Zeit und damit die Fehlentwicklungen sind nicht stehen geblieben. Wer sich das bewusst macht, muss sich in keiner Weise darüber wundern, was in diesem Jahr am 10. Mai passieren wird. Rom sagt sehr klar, dass die Kirche keine Vollmacht hat, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. In einem ersten Schritt ging daraufhin eine Empörungswelle übers Land. In einem zweiten Schritt gehen Priester hin und rufen einen bundesweiten Aktionstag zum Ungehorsam auf. Pflichtschuldigst hört man von Bischöfen, man werde ungehorsame Priester nicht sanktionieren. Gläubigen bleibt, auch wenn es auf die Lage als solche keinen Einfluss hat, nur die Antwort mit den Füßen. Wo man den aktiven Ungehorsam lebt und damit die Einheit innerlich aufkündigt, ist man als Katholik nicht am rechten Ort.

Denn der stetige Ungehorsam ist die Quelle der immer wieder neuen Vertiefung der Spaltung. Wenn aus Rom die Ansage kommt, dass hier eine Grenze ist, die ohne Verlassen der Einheit nicht überschritten werden darf, wenn der Irrtum benannt wird, wenn der Fehler im Handeln erklärt wird und es wieder und wieder sein „Trotzdem!“ gibt, was ist das anders als „non serviam!“? So schreitet der Prozess der Spaltung mit derzeit zunehmender Geschwindigkeit so lange fort, bis nichts und niemand das Feststellen des Schismas noch länger aufhalten kann.


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