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Kasachstan-Besuch: Nächste heikle Mission für den Papst

vor 4 Tagen in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Papst Franziskus kündigt seine Teilnahme an einem Religionen-Gipfel in Kasachstan an - Dort könnte er den Moskauer Patriarchen Kyrill treffen - Hintergrundbericht von Roland Juchem


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Am 13. September, so bestätigte der Vatikan am Montag, wird der Papst nach Kasachstan reisen und an einem interreligiösen Kongress in der Hauptstadt Nur-Sultan teilnehmen. Am Dienstag folgte das Reiseprogramm. Die eigentliche Nachricht versteckte der Vatikan subtil: Franziskus wird - sehr wahrscheinlich - den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. treffen. Denn der hatte seine Teilnahme am VII. Kongress der Religionen in Nur-Sultan bereits vor Monaten zugesagt.

Indirekt enthalten ist die mögliche Begegnung im Programm für den Nachmittag des 14. September: "Private Begegnungen mit einigen religiösen Führern", so heißt es da offiziell. Das ist protokollarisch niederschwellig. Kyrill würde für Franziskus ein Gesprächspartner unter mehreren sein. Bilder wird es nur wenige geben.

Das Treffen ist dennoch hoch umstritten. "Wir Diplomaten tun alles, um das Treffen zu verhindern", hatte Kiews Vatikan-Botschafter Andrij Jurasch, noch Mitte Juli angekündigt. Es werde weder dem ökumenischen Dialog nützen noch dem Apostolischen Amt des Papstes, so Jurasch, denn es sei "ein Treffen mit dem Anwalt des Teufels".

Dass der Patriarch von Moskau den russischen Überfall auf die Ukraine mehrfach verteidigt hat, macht ihn zum Außenseiter im ökumenischen Dialog. Das Thema wird auch bei der Vollversammlung des weltweiten Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) Anfang September im deutschen Karlsruhe für Debatten sorgen. Es gab Bestrebungen, die russisch-orthodoxe Delegation auszuladen.

Treffen in Jerusalem geplatzt

Entsprechend skeptisch sind die Einschätzungen von Diplomaten und Theologen, was ein Treffen des Papstes mit Kyrill angeht. Manche sagen, Franziskus überschätze seinen diplomatischen Einfluss. Auch im Vatikan halten führende Köpfe eine Begegnung für verfrüht. Franziskus jedoch scheint seinem Grundsatz treu bleiben zu wollen: Wenn es dem Frieden dient, muss man mit allen reden.

Planungen für ein Treffen der beiden Kirchenoberhäupter im Juli in Jerusalem waren abgebrochen worden. Zuvor hatte Franziskus in einem Zeitungsinterview unverblümt über sein Videogespräch mit Kyrill im März gesprochen und gesagt, Kyrill dürfe kein "Staatskleriker" sein und müsse aufpassen, nicht zu "Putins Messdiener" werden. Der Patriarch war "not amused".

Zuvor nach Kiew?

Der Boden, auf dem Papst und Patriarch sich in Nur-Sultan treffen würden, ist ein Kongresszentrum mit dem schönen Namen "Pyramide des Friedens und der Eintracht". Nicht nur für ukrainische Ohren könnte das wie Hohn klingen. Der römisch-katholische Erzbischof von Lwiw, Mieczyslaw Mokrzycki, hatte im Juli gewarnt: "Es wäre ein Desaster, wenn der Heilige Vater zunächst Russland besuchen würde und dann erst die Ukraine."

Und so spekulieren derzeit manche, ob Franziskus vor Kasachstan noch in die Ukraine reist. Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Gallagher, hat das nicht ausgeschlossen. Abwarten müsse man, wie der Papst die Kanada-Reise gesundheitlich überstehe. Zwar kündigte Franziskus auf dem Rückflug von Kanada an, in Sachen Reisen kürzer treten zu wollen. Doch was ein Treffen mit Kyrill und einen Besuch in Kiew angeht, gilt nun wohl: Wer A sagt, muss auch B sagen - oder umgekehrt.

Neutrale Haltung Kasachstans

Zum Ukraine-Krieg nimmt Kasachstan eine eher neutrale Haltung ein. Die Beziehungen zum großen Nachbarn Russland sind eng - ohne sich vereinnahmen oder bevormunden zu lassen. Über zwei Drittel der 19 Millionen Bewohner Kasachstans sind Muslime. Von den 26 Prozent Christen sind die meisten Russisch-Orthodoxe, viele Familien leben seit der Sowjetära dort. Das Gebiet gehört zum "kanonischen Territorium" des Moskauer Patriarchats. Die katholische Kirche dort, unter Stalin aus polnischen und deutschen Zwangsumgesiedelten entstanden, ist seit 1991 geschrumpft, ihr gehören noch 180.000 Gläubige an.

Wichtigster offizieller Punkt der Papstreise ist das interreligiöse Treffen, das dort alle drei Jahre von Kasachstans Regierung ausgerichtet wird. Neben Franziskus und Kyrill wird auch einer der ranghöchsten sunnitischen Geistlichen, Großscheich Ahmed al-Tayyib, von der Al-Azhar Moschee in Kairo, erwartet.

130 Delegationen aus 60 Ländern

Angekündigt sind weitere Geistliche aus Islam, Christentum, Judentum, Shintoismus, Buddhismus, Zoroastrismus, Hinduismus und anderen Religionen. Organisator ist Bulat Sarsenbajew, Chef des staatlichen Nasarbajew-Zentrums zur Entwicklung des Dialogs zwischen Religionen und Zivilisationen. Er sprach zuletzt von 130 Delegationen aus 60 Ländern, die erwartet werden. Man darf gespannt sein, was diese zum Thema Religion und Krieg sagen - speziell zu dem in der Ukraine.

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

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Lesermeinungen

 girsberg74 vor 4 Tagen 
 

Ob das gut überlegt ist?

Zwei Sätze erscheinen mir für das Ansehen des Amtes bedeutsam; denn das Amt überdauert die Person:

„Es werde weder dem ökumenischen Dialog nützen noch dem Apostolischen Amt des Papstes, so ...“

„Wenn es dem Frieden dient, muss man mit allen reden.“


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