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„Der Mensch wird zu einem Produkt, zu einer Ware“

25. Jänner 2022 in Spirituelles, 5 Lesermeinungen
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„Allein in Deutschland wurden in den letzten zwei Jahrzehnten 300.000 künstlich erzeugte Kinder geboren, die oft nicht wissen, wer ihre Eltern sind.“ Predigt zum Patrozinium der Titelkirche. Von Gerhard Card. Müller


Rom (kath.net) kath.net dankt S.E. Kardinal Müller für die freundliche Erlaubnis, seine Predigt zum Patrozinium seiner Titelkirche Sant'Agnese in Agone (an der Piazza Navona) an St. Agnes 21. Januar 2022 in voller Länge zu dokumentieren.

Ein Mädchen für heute

Die Heilige, die wir heute als unsere Patronin in ihrer Kirche verehren, ist uns in ihrem christlichen Leben und Sterben ein Vorbild. Sie war ein junges Mädchen, das hier  im Rom des 3. Jahrhunderts zu Hause war.

In einer heidnischen Umgebung hatte sie sich frei und bewusst für Christus entschieden. Darum wurde sie in die katholische Kirche eingegliedert durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und den Heiligen Geistes.

Es gab  zu ihrer Zeit eine dreifache Mauer, die die Heiden gegen das Evangelium der universalen Liebe Gottes aufgetürmt hatten. Der erste Festungsring war der polytheistische Kult der Volksmassen. Dann kam die politische und juristische Bastion der Staatsreligion, die jeden mit Tod, Gefängnis und Enteignung bedrohte, der den Kaiser nicht als die göttliche Personifikation des Imperium Romanum verehrte. Und der dritte Widerstand, der sich gegen die Kirche als universales Sakrament des Heils der Welt in Jesus Christus zusammenballte, war die hohe Schule der griechischen Philosophie. Der neuplatonisch gestimmte Denker Kelsos hatte die wesentlichen Einwände gegen das Christentum formuliert, über die auch die modernen atheistischen Antichristen bis heute geistig nicht hinausgekommen sind. Von dem hochgelehrten Origenes, einem etwas älteren Zeitgenossen der hl. Agnes, wissen wir, mit welchen Argumenten das Christentum ad absurdum geführt werden sollte.

Der Kern des Widerspruchs zu allen geoffenbarten Wahrheiten ist die Negation der Menschwerdung Gottes in Christus und die freiwillige Opferhingabe des Sohnes Gottes für uns am Schandpfahl des Kreuzes. Das war mit nicht vereinbar mit der Idee Gottes als eines reinen Geistes, der sich nicht um die lächerlichen Belange der Menschen kümmert und sich nicht mit dem Dreck der Welt schmutzig macht. Ebenso schien unserem heidnischen Denker die Voraussetzung unmöglich, dass Gott den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen habe und dass die Folge der Versöhnung der Sünder mit Gott im Bundesblut Jesu unsere Auferstehung mit Seele und Leib sei. Denn der Leib sei doch nur der Kerker der Seele und wir sollten froh sein, wenn der Tod uns von ihm befreie.


Was die Weisen und Mächtigen der Welt als unlogisch und weltfremd zurückwiesen, ist aber der Glaube der Kirche, den das Mädchen Agnes gegen die mediale, politische und ideologische Übermacht bis zum Martyrium siegreich behauptete. Sie folgte Gottes Wort: „Sei getreu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben… Wer siegt, dem kann der zweite Tod nichts anhaben.“ (Offb 2, 10f).

Die 12jährige aus dem 3. Jahrhundert war nicht anders Christ als es wir heute sind. Der Christ ist verbunden mit dem dreifaltigen Gott im Bekenntnis des Glaubens an die ganze geoffenbarte Wahrheit, die Teilhabe an seiner Gnade in den heiligen Sakramenten seiner Kirche und der Nachfolge Christi in einem neuen Leben der Gottes- und der Nächstenliebe. Ein kurzer Blick in die zu Beginn des 3. Jahrhunderts verfasste Schrift, die „Traditio Apostolica“ des Hippolyt von Rom, kann uns von der immerwährenden Gleichheit der katholischen Lehre, der Liturgie und des sittlichen Lebens überzeugen. Aber auch die feindselige Stimmung der Volksmassen, der Politiker und Intellektuellen von heute, die am liebsten die ganze christliche Kultur Europas  ausrotten wollen, unterscheidet sich nicht wesentlich von der Situation der verfolgten Christen zu allen Zeiten.

Aber doch türmt sich heute eine noch höhere Mauer gegen den christlichen Glauben auf, der besonders unsere Jugendlichen hindert, sich zu dem Gott und Vater Jesu Christi zu bekennen, selbst wenn sie katholisch getauft und erzogen sind.

Es ist die Ideologie des Posthumanismus. Der Mensch sei nur eine Spezies der biologischen Evolution, die abgelöst und perfektioniert wird durch die technologisch-digitale Produktion der Cyborgs und Roboter mit künstlicher Intelligenz. Der bisherige Mensch bleibt zurück als eine beliebig formbare und austauschbare Biomasse. Die Unterschiede von männlichem und weiblichem Geschlecht können verwischt werden. Man kombiniert tierisches und menschliches Leben. Mensch und Maschine bilden einen Hybrid und am Ziel des Transhumanismus bleibt ein technisches Gerät, das nach unserem leiblichen Tod unser individuelles Bewusstsein speichert und somit unsterblich macht – vorausgesetzt, dass wir uns diese Anschaffung finanziell leisten können, d.h. dass nur wenige Milliardäre sich diese digitale Unsterblichkeit leisten können.

Um nur die Dimensionen dieses Programms an einer Statistik deutlich zu machen. Allein in Deutschland wurden in den letzten zwei Jahrzehnten 300.000 künstlich erzeugte Kinder geboren, die oft nicht wissen, wer ihre Eltern sind. Der Mensch wird zu einem Produkt, zu einer Ware, die man bestellt, kauft, verleiht und von der man sich trennt, wenn die Ware nicht gefällt. Alte und kranke Menschen sterben nicht in Würde, getröstet durch die Sakramente der Kirche, sondern werden ausrangiert und entsorgt.

Diese Missachtung ihrer Würde als Menschen ist der Graben, der viele Jugendliche und Erwachsenen zurückschrecken lässt vom Sprung des Glaubens an einen Gott, der uns liebt um unsrer selbst willen. Denn sie können den Zweifel an unvergänglichen Sinn ihrer  personalen Existenz nicht überwinden.

Doch mit dem Blick auf das mutige Mädchen Agnes möchten wir jedem jungen Menschen von heute zurufen: Auch wenn du bei deiner leiblichen Zeugung genetisch manipuliert wurdest, auch wenn du während deines Heranwachsens in einem weiblichen oder künstlichen Uterus der Gefahr der pränatalen Selektion ausgesetzt warst oder  wenn dir während deiner Kindheit und Jugend das Recht auf einen Familie mit deinem eigenen Vater und deiner eigenen Mutter und deinen Geschwistern verwehrt wurde, darfst du dennoch nicht zweifeln an der Wahrheit, dass du von Gott geschaffen bist nach seinem Bild und Gleichnis. Für dich ist Gott Mensch geworden und hat Jesus Christus sein Leben am Kreuz aus Liebe zu dir dahingeben. Du bist als sein Jünger berufen zu einem Leben in der Nachfolge Christ. Du bist im Sohn Gottes selbst aus Gnaden Sohn und Tochter Gottes geworden und darfst dich mit vollem Recht im Heiligen Geist Freund Gottes nennen.

Erst wenn wir wieder gelernt haben, dass die Würde des Menschen in Gott gründet und uns von niemanden geraubt werden kann, dann begreifen wir, dass Christsein im Glaubensbekenntnis, in der Mit-Feier der Liturgie und in einer neuen Ethik der Liebe uns erhebt, aufbaut und  glücklich macht.

Mitten im Chaos des untergehenden weströmischen Reiches rief Papst Leo der Große den römischen Christen zu, sie sollten ihre Würde als Christen erkennen und bedenken, um welchen Preis sie aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes frei gekauft worden sind. Es war freilich nicht Prestige, Macht und Geld, das die Menschen frei und selig machen könnte, sondern das Blut Christi. Es war der Sohn Gottes, der zu unserem Heil vom Himmel herabkam, der unsere Sklavengestalt annahm, der aus Liebe zu uns die Bitternis des Sterbens auf sich nahm und der als strahlender Sieger aus dem Grab von Hass, Sünde und Tod auferstanden ist. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3, 16)

Heilige Agnes, du tapferes Mädchen, du mit 12 Jahren schon  vollendete Nachahmerin Jesu in Leiden und Kreuz, bitte für die Jugendlichen von heute, dass sie die Würde erkennen, die sie von Gott empfangen haben und ihrer Berufung folgen zur Herrlichkeit der Auferstehung.

Archivfoto Kardinal Müller (c) youtube/Screenshot


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Lesermeinungen

 lesa 26. Jänner 2022 

Danke, liebe@salvatoreMio. Sie haben fortgeführt, wozu mir der Platz nicht mehr reichte. Und zwar wie immer treffend und m.E. goldrichtig.


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 SalvatoreMio 26. Jänner 2022 
 

"Ora et labora" - Bete und mach den Mund auf, wenn's nötig ist.

Danke für Ihre Ausführungen, liebe @ lesa! Unter der "Waffenrüstung Gottes" verstehe ich für mich selbst die beiden Waffen: "Ora et labora": 1) Beten - besonders darum, dass auch andere die Gnade des Glaubens an Christus erfahren. 2) Arbeiten! Das kann auch bedeuten, den Mund aufmachen und Einspruch erheben. Gott hat uns den Mund nicht nur zum essen gegeben, sondern auch um klarzustellen. Und das ist nötiger denn je!


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 lesa 26. Jänner 2022 

Wir können und müssen uns und die Welt nicht fabrizieren

Liebe@salvatoreMio: Ja, die Flüchtigkeit, in die wir uns von unseren Geräten, der gesamten Situation etc. treiben lassen, lässt den Bezug zur Leben spendenden Mitte, zur Offenbarung Gotes vergessen. So nimmt die Entwurzelung zu und die Mächte der Dunkelheit bekommen immer mehr Raum.
Diese Predigt von Kardinal Müller spricht die Ursachen unserer Entfremdung und massiven Gefährdung ganz klar an. Ganz herzlichen Dank für diese kraft- und lichtvolle Predigt!
Wenn der Mensch sich nicht aus der Hand Gottes empfangen will, fehlt ihm die Gnade und die Liebe. Er wird zu einem kalten Roboter, der sich anmasst, Gott zu sein. Das Maß seines Wahnsinns stülpt er mit Gewalt anderen über, nicht nur durch die Verwirrung, die er weitergibt, sondern auch unter Gewaltanwendung: "Und bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt". Siehe Pflichtimpfung etc..
Der Kampf muss mit der Waffenrüstung Gottes gewonnen werden, aber gemäß der Inkarnation unter Anwendung menschlicher Mittel: Einspruch erheben...


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 SalvatoreMio 26. Jänner 2022 
 

Was ist der Mensch?

Danke, Herr Kardinal Müller, für diese wichtigen Gedanken. Schade, dass viel Wesentliche im Tumult dieser Tage untergeht.


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 Scotus 25. Jänner 2022 

Danke für diesen Hinweis auf die hl. Agnes. So wie die Armut bei Franziskus, wäre heute die Keuschheit bei Agnes das Thema unserer sexualisierten Zeit. Die Problemfelder in diesem Zusammenhang hat Kardinal Müller damit sehr gut auf den Punkt gebracht.


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